Hitzewelle, Fußballfieber, Herzbelastung: Was Menschen mit Bluthochdruck – jeder dritte Erwachsene ist betroffen, jeder Fünfte weiß nichts von seiner Erkrankung – und Fußballfans aktuell beachten sollten

Heute Abend schaut Deutschland auf das zweite WM-Spiel gegen die Elfenbeinküste. Auch wenn es um 22 Uhr nicht mehr so heiß ist wie am Nachmittag, wirkt die Belastung eines Hitzetages oft noch nach: „Der Körper hat Flüssigkeit verloren. Die Gefäße sind durch die Wärme erweitert. Der Kreislauf ist anfälliger. Kommen dann Anspannung, Adrenalin, Alkohol, spätes Essen und die emotionale Achterbahnfahrt eines Fußballabends dazu, entsteht die Mischung, die viele unterschätzen: Hitze destabilisiert den Kreislauf, Fußballstress treibt Puls und Blutdruck nach oben“, erklärt Kardiologe Dr. Milan Dinic aus München.

Gerade für Menschen mit Bluthochdruck, Vorhofflimmern, koronarer Herzkrankheit (KHK) oder anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann dieses Wechselspiel heikel werden. „Stresshormone bei aufregenden Spielen können das Herz zusätzlich belasten.“

Bluthochdruck bleibt oft unbemerkt: Jeder sollte seine Werte kennen

Das große Problem: „Viele Menschen achten erst auf ihren Blutdruck, wenn Beschwerden auftreten. Dabei macht Bluthochdruck oft lange keine Symptome. Deshalb wissen auch so viele Menschen nicht, dass sie von dem „stillen Killer“ betroffen sind. Jeder sollte seine Werte kennen“, mahnt Dr. Dinic.

Medikamente niemals eigenmächtig ändern: Diese Fehler können gefährlich werden

Besonders wichtig ist ihm ein Punkt: „Blutdruckmedikamente sollten niemals eigenmächtig verändert werden. Ja, anhaltende Hitze kann im Einzelfall dazu führen, dass eine Dosis ärztlich überprüft und angepasst werden muss. Aber wer Tabletten einfach weglässt, die Dosis halbiert oder zeitlich verschiebt, riskiert gefährliche Blutdruckschwankungen.“

Er empfiehlt: Blutdruck regelmäßig messen, Beschwerden ernst nehmen und Änderungen nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt vornehmen. Wer Schwindel, ungewöhnliche Müdigkeit oder niedrige Werte bemerkt, sollte das ärztlich abklären lassen, „aber nicht auf eigene Faust experimentieren“.

In vielen Medien weist Dr. Dinic regelmäßig auf die Volkskrankheit und ihre Gefahren hin, motiviert zu regelmäßigen Checks beim Hausarzt und Kardiologen. Er weiß: „Betroffene fühlen sich meist gesund – bis plötzlich Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzrhythmusstörungen auftreten. Jeder sollte deshalb die Chance zur Vorsorge nutzen – generell und aktuell besonders. Denn hohe Temperaturen und starker emotionaler Stress können zum zusätzlichen Belastungsfaktor werden.“

Fußballstress ist messbar: Warum emotionale Spiele das Herz belasten

Dass Fußballschauen für Risikopatienten tatsächlich messbaren Herzstress bedeuten kann, darüber informierte er bereits am 19.06.2024, auf Seite 3 im Münchner Merkur (PDF), anlässlich der Fußball-EM. Bei emotional aufwühlenden Spielen ist das Risiko für akute kardiale Ereignisse bei Zuschauern mehr als doppelt erhöht. Das zeigte eine viel beachtete Münchner Studie rund um die Fußball-WM 2006. Fast dreimal so viele Menschen wie sonst mussten während der WM wegen Herzinfarkten und akuten Herzrhythmusstörungen in die Klinik. Besonders deutlich war der Anstieg in den ersten zwei Stunden nach Spielbeginn.

Für gesunde Menschen ist ein Fußballabend in der Regel kein Problem, sagt Dr. Dinic. Für Menschen mit bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die Kombination aus Hitzetag + Flüssigkeitsverlust + Aufregung aber alles andere als banal.

Die wichtigsten Tipps für Fans mit Herz-Kreislauf-Risiko

Was sollten Fußballfans heute und auch sonst beachten? Das rät der Mediziner:

  • Ausreichend trinken, idealerweise Wasser oder ungesüßten Tee. Alkohol nur zurückhaltend konsumieren, weil er den Kreislauf zusätzlich belastet.
  • Medikamente wie verordnet einnehmen.
  • Den Blutdruck gerade an heißen Tagen regelmäßiger kontrollieren. Bei Schwindel, Herzrasen, Brustdruck oder auffälliger Schwäche zum Arzt gehen.

Bei bekannter Herzerkrankung gilt: ein solches Spiel möglichst nicht allein schauen. Wer Warnzeichen wie Brustschmerz, Luftnot, starkes Herzrasen, Schwindel oder Engegefühl bemerkt, sollte nicht abwarten, sondern die 112 wählen.

Patientenfall (37): durch Vorsorge und Lebensstil-Anpassung das Herzinfarkt-Risiko senken

Zurück zum Münchner Merkur: Dem Thema „Fußball-Stress – das K. o.-Spiel fürs Herz“ hat die Redaktion eine ganze Seite gewidmet, mit Dr. Dinic als Experte. Wie nah Begeisterung, Adrenalin und Herzgefahr manchmal beieinanderliegen können, machte er mit einem Patientenfall deutlich – Felix B., damals 37 Jahre alt, Rechtsanwalts-Fachangestellter, Familienvater von zwei kleinen Kindern und glühender FC-Bayern-Fan.

Wenn er Fußball schaut, wird es mitunter so laut, dass er die Kinder weckt. Um seinen Blutdruck hatte er sich lange keine großen Gedanken gemacht, weil es ihm vermeintlich gut ging. Erst im Nachhinein fielen ihm Warnzeichen auf: etwas Luftnot beim Treppensteigen, ein hochroter Kopf bei Aufregung und Anstrengung. Bei der Vorsorge bei Dr. Dinic kam dann der Schock: 140/110 mmHg, vor allem der diastolische Wert war gefährlich hoch. Dazu kam eine massive familiäre Vorbelastung: Vater und Großvater starben beide bereits mit 60 an Herzinfarkten, Mutter und Großmutter litten an Bluthochdruck. Seit der Diagnose nimmt Felix B. Blutdrucksenker, bewegt sich mehr, achtet stärker auf seine Ernährung und fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit.   

Früherkennung mit KI: Durchblutungsstörungen rechtzeitig erkennen

Er informierte in diesem Zusammenhang auch über die Cardisiographie – eine präzise, KI-gestützte Methode zur Früherkennung von Herzkrankheiten. Dr. Dinic war 2021 einer der ersten Ärzte in Bayern, die ihren Patienten den KI-gestützten Herz-Check ermöglichten, inzwischen sind es mehr als 1.300 Ärzte in Deutschland.

„Bluthochdruck tut meist lange nicht weh, bis er gefährlich wird. Wer seinen Blutdruck kennt, Risiken früh erkennt und Warnzeichen ernst nimmt, schützt nicht nur seine Gesundheit, sondern sorgt dafür, dass Fußball ein emotionales Erlebnis fürs Herz bleibt und kein Risiko für das Herz“, fasst der Herz-Experte zusammen.

Viel Spaß beim Fußballschauen und kommen Sie gut durch die Hitzewelle.

Ihr Team der Praxis Dr. Dinic


Foto: Heidi Willmann

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